| SELBSTHILFEPROJEKT ODERBERGER STR. 42
22 Selbsthelfer / 7 Bewohner / 8 Mietparteien
VH (bewohnt), SF und HH (Leerstand seit ca.8 Jahren)
nach MOD: 20 WE, Gemeinschaftsfläche und Gewerbe; ca. 1812 qm
Nfl
Die Gruppe :
Die Gruppe besteht aus 22 Selbsthelfern und 7 Bewohner im Kern schon
seit fast 3 Jahren. Wir setzten uns aus unterschiedlichen Berufs- und Einkommensschichten,
Altersgruppen und Nationalitäten zusammen.
Die verschiedenen Fähigkeiten und Möglichkeiten des Einzelnen
können für uns im Rahmen des Selbsthilfeprojektes gebündelt
werden, so daß wir uns gegenseitig ergänzen und unterstützen.
Die Idealvorstellungen hinsichtlich einer gemeinschaftlich orientierten
Lebensform und einer gesicherten Wohnexistenz erschienen aufgrund der bestehenden
SH-Förderung realisierbar.
Nur auf Grundlage solcher Mittelzuwendungen ist es Leuten wie uns,
mit unterschiedlichen sozialem und finanziellem Hintergrund, möglich
eine ausgewogene Gruppenstruktur aufzubauen, die es letztlich jedem ermöglicht
das einzubringen, was er einbringen kann, um das gemeinsame Ideal zu realisieren.
Wir stehen als Selbsthilfegruppe im sozial-politischen Kontext der Sanierungsziele
und verfolgen nicht gewinnorientierte Interessen einer Investorengruppe.
Unsere Ziele sind in erster Linie die Erhaltung bestehender Bausubstanz
und preiswerten Wohnraums , die Verwirklichung gemeinschaftlicher Lebens-
und Wohnformen und vor allem die Sozialverträglichkeit des Hausprojektes
sowohl für die jetzigen Bewohner als auch für die Selbsthelfer
und dem Kiez Prenzlauer Berg insgesamt.
Das Haus:
Nach zweijähriger Suche und intensiven Kontakten mit Wohnungsbaugesellschaften,
Sanierungsträgern und Vertretern der Bezirke haben wir in der Oderberger
Str. 42 endlich ein Haus gefunden, daß unseren Vorstellungen und
finanziellen Möglichkeiten entspricht.
Das Haus besteht aus einem vermieteten Vorderhaus und einem seit ca.
8 Jahren leerstehenden Seitenflügel und Hinterhaus. Hinterhaus und
Seitenflügel sind unbewohnbar, das Vorderhaus hat starken Sanierungsbedarf.
Einer unserer ersten Schritte, lange vor dem Kauf des Hauses ,war die
Kontaktaufnahme mit den Mietern. Angesichts des fortschreitenden Verfalls
wird unserem Vorhaben insgesamt Wohlwollen entgegengebracht. Wir haben
in mehren Gesprächen den Mietern angeboten, sich am Projekt und am
Kauf zu beteiligen. Zur Ankaufbeteiligung konnte sich niemand entschließen,
aber es besteht bei einigen Interesse, sich im Rahmen der Mieterselbsthilfe
zu beteiligen.
Der aktuelle Prozeß wird im Hause mit großem Interesse
und viel Anteilnahme verfolgt, darüber hinaus werden wir von einigen
Mietern tatkräftig unterstützt.
Aktuelle Situation:
Wir haben das Haus im Sommer 1998 erworben, nachdem uns für 1999
SH-Förderung in Aussicht gestellt wurde.
Ohne diese Aussichten wären wir das finanzielle Risiko nicht eingegangen,
weil wir die Doppelbelastung aus Ankauffinanzierung und eigener Miete
nicht über mehrere Jahre und schon gar nicht für einen ungewissen
Zeitraum tragen können. Damit das Projekt für alle Selbsthelfer
bezahlbar ist, müssen wir diese Doppelbelastung beseitigen und das
bedeutet so schnell als möglich einziehen. Ohne vorherige Sanierung
ist dies nicht möglich, weil das Hinterhaus und der Seitenflügel
im jetzigen Zustand unbewohnbar sind.
Die Bausubstanz ist durch langjährigen Leerstand und Vandalismus
stark geschädigt und verfällt zusehends. Die zeitliche
Verzögerung verteuert die Sanierung und erhöht damit unsere Belastungen.
Die Mieter sind stark verunsichert, denn sie sind wie wir davon ausgegangen,
daß die Sanierung unmittelbar bevorsteht. Sofern das Projekt nicht
bald realisiert wird, sind die Folgen abzusehen: Die Mieter, die es sich
leisten können, werden fortziehen, weil sie keine Aussicht auf Verbesserung
ihres Wohnumfeldes sehen, und die älteren und finanzschwachen Bewohner
bleiben mangels Alternativen dort wohnen.
Den Erhalt der ursprünglichen Bewohnerstruktur des Stadtteils,
eines der wichtigsten Ziele behutsamer Stadterneuerung, scheint bedeutungslos.
Daß Selbsthilfeprojekte, nicht zu den umworbenen Geschäftspartnern
der Banken gehören, durften auch wir erfahren.
Nach vielen Anläufen, Gesprächen und mit viel Überzeugungskraft
gelang es uns letztendlich, eine Finanzierungszusage auf der Grundlage
der zu erwartenden Aufnahme in das Selbsthilfeprogramm zu erhalten.
Wir sind äußerst besorgt, daß eine Änderung der
Selbsthilferichtlinien erhebliche Auswirkungen auf diese Zusagen haben
könnte. Ein Antrag im Programm „Soziale Stadterneuerung“ mit weitaus
höherem Kreditbedarf ist angesichts dieser Schwierigkeiten für
uns illusorisch.
Die Selbsthilfegruppe hat sich auf Grundlage der bestehenden Förderrichtlinien
konstituiert
und organisiert. Der Finanzrahmen ist bereits bei diesem Programm für
die meisten Gruppenmitglieder mit erheblichen Belastungen verbunden. Sollten
infolge von Programmwechsel die Belastungen ansteigen, wird das Projekt
für den größten Teil der Gruppe nicht mehr tragbar.
Wir sind als soziale Gemeinschaft angetreten und nicht als kapitalstarke
Investorengruppe.
Sollte die SH-Förderung 1999 nicht aufgestockt werden, hätte
dies nicht nur persönliche sondern städtepolitisch tiefgreifend
negative Folgen:
Damit wäre der seit 8 Jahren andauernde Leerstand und Verfall
des Hauses auch weiterhin aktuell, die stadtpolitische Sanierungspriorität
der Oderberger 42 in den Wind geschrieben und die Förderung von Eigeninitiative
und Selbsthilfe einkommensschwacher Bewohner Berlins nicht mehr wohnungspolitisches
Ziel.
Dies wäre der Anfang vom Ende der behutsamen Stadterneuerung. |