Berlin - Brücke der Kulturen e. V. Berlin, 05. 02. 1999Projektentwicklungsteam Chausseestr. 53
Kurze Selbstdarstellung des Projekts "Chausseestr. 53" - ein Berliner Integrationsprojekt für russischsprachige SeniorInnen Das hier vorgestellte Projekt wird seit Mitte 1995 durch ein gemischt deutsch-russisches Team konzeptionell entwickelt; mit seiner konkreten Realisierung wurde in Abhängigkeit von der Schaffung der notwendigen Fördervoraussetzungen schrittweise ab Herbst 1998 gerechnet.
Es basiert auf dem Interesse, der Fähigkeit und der Bereitschaft deutscher und russischsprachiger BerlinerInnen, im Rahmen der Mieter-Selbsthilfe bzw. öffentlicher Förderprogramme an der Sanierung geeigneter Wohnobjekte bzw. an der Schaffung räumlicher Voraussetzungen für die Entwicklung eines sozio-kulturellen Integrationsprojekts mitzuwirken.
Ziel des Projektes ist die Schaffung von langfristig bezahlbarem Wohnraum in einem konkreten leerstehenden Objekt für die benannte deutsch-russische Zielgruppe unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Bedürfnisse sowie unter Sicherung ihrer dauerhaften soziokulturellen und räumlichen Einbindung in bestehende oder zu schaffende Kiez- und Stadtbezirksstrukturen. Generell wird dabei auch die Kooperation mit Einrichtungen wie deutschen Seniorenklubs, Nachbarschaftsheimen u. ä. angestrebt.
Nach den vorliegenden Plan-Aufmaßen für die Chausseestr. 53 steht in den fünf Stockwerken (Erdgeschoß + 4 Obergeschosse) der drei Gebäudeteile (Vorderhaus, Seitenflügel, Hinterhaus) eine - derzeit komplett leerstehende - Gesamtnutzfläche von 1.524 qm (ohne Dachgeschoß) zur Verfügung, wovon ca. 120 qm für einen Gemeinschafts- bzw. öffentlichen Bereich im Parterre vorgesehen sind. Als Wohnungen genutzt wurden bis zum Leerstand 24 WE. Im Rahmen der Sanierung einschließlich des Dachgeschoßausbaus ist die Wiederherstellung von 23 WE (infolge Zusammenlegung) beabsichtigt. Im Dachgeschoß wären maximal 246 qm nutzbar. Wieweit die Kellerfläche außerhalb der Heizungsinstallation zu nutzen wäre, ist noch zu prüfen. Eine definitive Aufteilung und Zuordnung der Nutzfläche erfolgt dem offenen Beteiligungskonzept entsprechend in unmittelbarem Zusammenwirken mit den künftigen MieterInnen.
Der nach Sanierungsabschluß zur Verfügung stehende Wohnraum soll die Entwicklung unterschied-licher Wohn- und Lebensformen ermöglichen, was auch gerade Möglichkeiten der Betreuung für aus der ehemaligen Sowjetunion zugewanderte ältere und kranke Menschen im Wohnbereich einschließen würde. In dieser Zielgruppe ist nach unserer Kenntnis das Interesse an Kommunikation, Lebenshilfe und Informationsübermittlung in der russischen Sprache altersbedingt besonders groß. Mit diesem Aufgabenschwerpunkt in der älteren Zuwanderergeneration würde gleichzeitig ein innovatives Modellprojekt entwickelt.
Mit Blick auf die Schaffung von langfristig preiswertem Wohnraum und besonders auch auf die Möglichkeiten für die Entwicklung von eigenen künstlerischen und anderen Aktivitäten im Rahmen des Projekts gibt es bereits beträchtliche Resonanz. Das entspricht auch den Zielen und Aufgaben des Vorhabens, das ja die Verbindung von Leben, Wohnen und Arbeiten vorsieht. Insofern wird die Belegung auszubauender Dachwohnungen mit Künstlern unterschiedlicher Richtungen, die gleichzeitig auch Beiträge für Veranstaltungen der multifunktionalen Begegnungsstätte bzw. unterschiedlicher Klubs leisten, geplant. Im Zusammenhang mit dem Konzept "Betreutes Wohnen" und "Ambulante Betreuung von Senioren" sollen einige WE MieterInnen mit medizinischer bzw. Pflegeausbildung sowie (im Parterre) Behinderten zur Verfügung gestellt werden. Aus dem Kreis der BewohnerInnen des Hauses sollten ebenfalls geeignete Kräfte mit gastronomischen oder hauswirtschaftlichen Kenntnissen und Fähigkeiten für den Betrieb der Infothek und Cafeteria sowie perspektivisch einer Seniorenküche (mit Lieferservice) gewonnen werden.
Gerade in Anknüpfung an die Traditionen der Großfamilien in Osteuropa sollen in dem Haus Menschen verschiedener Generationen und unterschiedlicher nationaler Herkunft miteinander leben, was die Entwicklung generationsübergreifender Selbsthilfe- und Integrationseffekte begünstigen würde. Prinzip sollte sein, daß diejenigen, die sich aktiv an der Sanierung der Immobilie beteiligt haben, auch ein Vorgriffsrecht auf die zu vergebenden Wohnungen erhalten. Gleichzeitig könnten auf diese Weise Fachkräfte langfristig für Instandhaltungsarbeiten gesichert und deren Kosten minimiert werden.
Am 23. 04.1997 wurde durch den Verein für das Objekt Chausseestr. 53 die Förderung von Sanierungsmaßnahmen aus dem Programm "Wohnungspolitische Selbsthilfe" beantragt. Mit der MINERVA Immobilienentwicklung GmbH & Co., die das Grundstück im Rahmen eines InVorG-Verfahrens erworben hat, ist ein langfristiger Pachtvertrag über die Nutzung der Immobilie während 20 Jahren für das sozial-kulturelle Integrationsprojekt abgestimmt worden.
Die gemäß ModInstRL ´96 vom Verein bzw. den MieterInnen zu erbringenden Eigenleistungen in Höhe von 15% der Gesamtbaukosten (= ca. 900.000,- DM) sollen innerhalb der geplanten Bauzeit von 2 Jahren auf folgende Weise realisiert werden:
Die weiteren Verzögerungen bei der Bewilligung der Fördermittel aus dem Programm "Wohnungspolitische Selbsthilfe" gefährden jedoch ernsthaft die Realisierung des Projekts: Interessierte künftige MieterInnen des Hauses können kaum über einen Zeitraum von mehr als 5 Jahren vertröstet werden und springen ab, der Zustand des seit mehreren Jahren leerstehenden Hauses verschlechtert sich speziell mit jeder Wintersaison weiter, wobei auch verstärkt Vandalismus-Probleme auftreten, und letzten Endes wird auch der Eigentümer hinsichtlich des Beginns der dauerhaften Nutzung zunehmend ungeduldig.Aufbau eines über öffentliche Förderprogramme finanzierten Teams für haushaltsnahe Dienst- und Beratungsleistungen, das die vom Verein organisierte Gruppe künftiger MieterInnen bei der Erbringung von Eigenleistungen unter besonderer Berücksichtigung ökologischer Aspekte unterstützt und fachlich berät Eigenleistungen erfolgen vorrangig im Bereich der Abrißarbeiten und Müll-/Bauschuttbeseitigung, Maler- und Trockenbauarbeiten sowie Außenanlagengestaltung Bauleistungen werden nach Möglichkeit an Träger vergeben, die ebenfalls Anleitungsfunktionen gegenüber der Mieter-Selbsthilfegruppe zu übernehmen bereit sind für die Planung und rasche Realisierung der Bauvorhaben erweist sich dabei als besonders günstig, daß infolge des kompletten Leerstands gleichzeitig in allen 3 Gebäudeteilen gearbeitet werden kann und keine Belästigung von im Hause wohnenden Mietern stattfindet. Die Abnahme der Bau-/Eigenleistungen erfolgt im Rahmen des abzuschließenden Fördervertrags durch den Sanierungstreuhänder L.I.S.T. GmbH, wobei Zwischenfinanzierungen nicht erforderlich wären.