Kurzbeschreibung des Bauvorhabens Anklamer Straße 8/Strelitzer Straße 69 in 10115 Berlin-Mitte und der besonderen wohnungspolitischen Zielstellungen des Vereins Independent Living – Jugendwohnen für Berlin und Brandenburg e.V. 

Independent Living – Jugendwohnen für Berlin und Brandenburg e.V. wurde 1991 im Ostteil Berlins gegründet. Die Mitglieder des Vereins sind: Sozial- und Sonderpädagogen, benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene, die Hilfe und Unterstützung benötigen, andere Fachleute und interessierte Außenste-hende. 
Der Verein wendet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die durch den Besuch von Sonderschulen, Unterbringung in Heimen, fehlende oder nicht anerkannte Schul- und Berufsausbil-dung benachteiligt oder einsam und alleingelassen sind. Viele, denen es so ergeht, isolieren sich oder verhalten sich zunehmend aggressiv und unterliegen, gerade unter den besonderen Bedingungen ei-ner Großstadt, potentiell der Gefahr, in kriminelle oder politisch radikale Gruppierungen gedrängt zu werden. Gerade Arbeitslosigkeit und Entwurzelung aus sozialen Netzwerken wird letztendlich zum Auslöser von Aggressionen, da Lösungsstrategien dafür nie gelernt wurden und somit nicht vorhanden sind. 
Schwerpunkt der Vereinsarbeit ist der Auf- und Ausbau differenzierter Unterstützungsleistungen, wie betreuten Wohnformen, ambulanten Hilfsangeboten und der Organisation eines sozialen Netzwerkes für eben diese jungen Menschen. Sie sollen wirksam werden, bevor in den individuellen Lebenslagen Notsituationen eintreten oder Jugendliche und junge Erwachsene „auffällig“ werden. Insofern ver-steht der Verein Integration sozial Benachteiligter vorrangig als Vermeidung von Isolation. 
Immer wieder wurden die Bemühungen des Vereins durch ungesicherte Wohnverhältnisse und nicht erfüllbare Auflagen und Bedingungen von Wohnraumvermietern erschwert. So mußte 1994 die erste Jugendwohngemeinschaft des Vereins kurzfristig ihr Domizil am Rosenthaler Platz räumen, da der neue Hauseigentümer alle Mittel anwandte, um den ohnehin befristeten Mietvertrag schnellstmöglich zu beenden. Heute befindet sich die Jugendwohngemeinschaft im Haus Anklamer Straße 8 und ist eng angebunden an die Kontakt- & Anlaufstelle im gleichen Hause. Für die Zielgruppen des Vereins erweisen sich feste soziale Bindungen auf der Grundlage bezahlbarer und gesicherter Wohnverhältnisse als äußerst positiv für die Lebensperspektive der jungen Menschen. 

 
Der Aufbau der sozialen Begegnungsstätte „Kontakt- & Anlaufstelle“ im Hause Anklamer Straße 8 erhielt, trotz der ungesicherten Mietverhältnisse, große Unterstützung u.a. von der Robert-Bosch-Stiftung GmbH, der Landesbank Berlin, der Senatsverwaltung für Jugend und dem Bezirk Mitte sowie der damaligen Präsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses, Dr. Hanna-Renate Laurien und dem heutigen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse. Das vordergründige Interesse der Unterstützung besteht aufgrund des großen ehrenamtlichen Engagements des Vereins und seiner Mitglieder. Die Kontakt- & Anlaufstelle ist eine Stätte der Begegnung und Kommunikation, schafft Raum und Platz (lokalen Bezug) für ein breitgefächertes Engagement von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, Jungen und Alten, Professionellen und Nichtprofessionellen, Betroffenen und Nichtbetroffenen. Inzwischen hat sich die Kontakt- & Anlaufstelle als „Herzstück der Vereinsarbeit“ und Begegnungsstätte im Kiez Rosenthaler Vorstadt etabliert. Ihre Arbeit ist öffentlich anerkannt, aus dem Zusammenhang der Vereinsaufgaben nicht mehr wegzudenken und diente u.a. als Vorbild für die Entwicklung weiterer vergleichbarer Einrichtungen in Frankfurt (Oder) und Meißen. 
Die Zielstellung der Sanierung des Hauses Anklamer Straße 8/Strelitzer Straße 69 ist eine behutsame, sozial und ökologisch orientierte Instandsetzung des Hauses, die die Umsetzung der satzungsgemäßen Aufgaben des Vereins dauerhaft ermöglicht, einer Ghettoisierung durch Einbeziehung der sanierungsbetroffenen Mieter des Hauses entgegenwirkt und durch Einbeziehung von Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen einen zusätzlichen Nutzen für die Jugendarbeit erbringt. Darüber hinaus soll insbesondere durch die Kontakt- & Anlaufstelle eine Einbindung in die lokale Infrastruktur erreicht werden. 
Independent Living – Jugendwohnen für Berlin und Brandenburg wird durch die langfristige Nutzungssicherung und Sanierung in die Lage versetzt, 

a) Formen des Betreuten Wohnens fortzuführen und auszubauen 
b) lokale Integration durch die Fortführung und Ausgestaltung der Kontakt- & Anlaufstelle als öffentliches Begegnungszentrum zu sichern 
c) eine Einbeziehung der betroffenen Mieter in die Sanierung und die soziale Arbeit des Vereins zu organisieren und damit zusätzlich soziale Verantwortung zu übernehmen 
d) zusätzliche Maßnahmen zur Beschäftigung und Qualifizierung von arbeits- und ausbildungslosen Jugendlichen durchzuführen und 
e) die gewonnen Erfahrungen auf die Projekte im Trägerverbund Independent Living zu übertragen. 

Der Zustand des Hauses erfordert eine komplette Sanierung der Heizmöglichkeiten, der Sanitärbereiche (hoher Anteil an Außentoilette und fehlender Bäder), der Elektroversorgung, des Daches (ggf. Ausbau und Schaffung von zusätzlichem Wohnraum) und der Fassade (Orientierung an der Enstehungszeit des Gebäudes Anfang des Jahrhunderts). Gemeinsam mit den zukünftigen Nutzern und betroffenen Mietern soll ein Wohnhaus gestaltet werden, in dem Familien, Alte und Junge und die Gemeinschaftseinrichtungen des Vereins ein harmonisches Ensemble bilden. Die Sanierung zielt nicht nur auf die Umsetzung der persönlichen Gestaltungsvorstellungen sondern auch auf die Vermittlung von sozialem und ehrenamtlichen Engagement der Beteiligten. 
 

 
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